Irreführende Schlagzeile: Presserat rügt „Heute“
Ein Artikel von „Heute“ erweckte den Eindruck eines Atomunglücks, obwohl es sich um eine Übung handelte.
Der Presserat hat das Onlineportal heute.at für eine irreführende Berichterstattung gerügt. Anlass war der Artikel „Unglück in Atomreaktor – Radioaktive Wolke über Europa“, der gegen Punkt 2.1 des Ehrenkodex für die österreichische Presse (Gewissenhaftigkeit und Korrektheit) verstoßen haben soll. Erst beim Aufruf des Beitrags stellte sich heraus, dass es keinen realen Anlass zur Sorge gab.
Alarmierende Darstellung trotz harmloser Fakten
Wie der Presserat in einer Aussendung am heutigen Freitag erklärte, handelte es sich bei dem Bericht um eine Übung für den atomaren Ernstfall, an der Hunderte Einsatzkräfte beteiligt waren. Die Überschrift sowie die Bebilderung mit einer Landkarte, die eine radioaktive Wolke zeigte, erweckten jedoch den Eindruck einer tatsächlichen Katastrophe. Hinzu kam die Überzeile „Furcht vor nuklearem Super-GAU“, die den Alarmcharakter weiter verstärkte. Eine Leserin wandte sich aufgrund der Berichterstattung an den Presserat, der den Fall an den Senat 3 seines Selbstkontrollorgans weiterleitete.
Stellungnahme von „Heute“
Ein Sprecher von „Heute“ erklärte, dass es sich nicht um eine unkorrekte Darstellung handele. Die Überzeile weise darauf hin, dass kein echter Super-GAU eingetreten sei. Zudem sei die Information über die Übung im Vorspann des Artikels enthalten – ein Bereich, der jedoch auf der Startseite von heute.at nicht sichtbar ist.
Bewertung durch den Presserat
Der Senat 3 erkennt an, dass Überschriften Verkürzungen enthalten können und dabei auch gewisse Verzerrungen möglich sind, solange der Artikel selbst die Umstände korrekt darstellt. Der Presserat betont jedoch: „Eine Grenze ist jedoch dort zu ziehen, wo die Überschrift als inkorrekte Darstellung des Sachverhalts einzustufen ist.“ Nach Ansicht des Gremiums entsteht bei der Betrachtung von Teaser und Landkarte der Eindruck eines realen Atomkraftwerksunglücks mit schwerwiegenden Folgen. Der Fokus auf Clickbaiting stehe dabei klar im Vordergrund. Der Presserat verlangt von „Heute“, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Das Medium anerkennt die Schiedsgerichtsbarkeit der Selbstregulierungseinrichtung im Pressebereich.
(APA/red)

