Was hat Stefan Raab gegen Gil Ofarim?

In seiner Show piesackt Raab alle Teilnehmer des Dschungelcamps – einen ganz besonders gerne.

06.02.2026 15:24
Redaktion
© RTL / Stefan Raab Entertainment
Die halbe Stunde nach der Stunde danach – Folge 6

Stefan Raabs Rückkehr ins Fernsehen ist von einem bemerkenswerten Widerspruch geprägt. Einerseits inszeniert sich der Entertainer als erfahrener Medienbeobachter, der den Zirkus des Reality-Fernsehens durchschaut und entlarvt. Andererseits greift seine neue Show bei RTL zu Methoden, die wenig Gespür zeigen und teilweise verstörend wirken. Der Ton ist härter geworden, die Bilder drastischer, die Zielrichtung enger. Aktuell besonders auffällig ist dabei die Fixierung auf eine einzelne Figur: Gil Ofarim.

Eine medienkritische Analyse

Raab verspottet im Rahmen seiner Dschungelcamp-Begleitshow “Die halbe Stunde nach der Stunde danach” alle Kandidaten. Doch während der Spott meist flüchtig bleibt, wiederholt sich die Zuspitzung im Fall Ofarims auffallend beharrlich. Die Inszenierung verlässt dabei zunehmend den Bereich klassischer Satire und bewegt sich in eine Zone, in der Provokation spürbar wird.

Diese Entwicklung wäre allein schon diskussionswürdig. Brisant wird sie jedoch vor dem Hintergrund des jüngst erhobenen Antisemitismus-Vorwurfs gegen die Sendung. Ein Einspieler, der auf antisemitische Codes und Stereotype zurückgriff, führte zu deutlicher Kritik und wurde vom Sender nachträglich entfernt.

Halbe Stunde, halber Humor

Vor diesem Hintergrund wirken auch andere Elemente der Show nicht mehr wie isolierte Geschmacksfragen, sondern wie Teil eines Musters. Raabs Humor arbeitet zunehmend mit Entmenschlichung, mit symbolischer Degradierung, mit Bildern, die weniger kommentieren als ausstellen. Er benutzt Wörter wie Pöbel. Er demütigt Kollegen verbal. Er lässt Codes zu, die sexistisches Verhalten gegenüber Frauen billigen. Diese Bewertung folgt einer medienkritischen Einordnung, nicht der Unterstellung persönlicher Motive.

Besonders irritierend ist dabei der Umgang mit historischem Bildmaterial. In der Sendung vom 5.2.2026 wird ein Clip aus der Fernsehsendung „Trinkpause: Männer wie Tiger“ von 1973 eingeblendet – ein Format, das für eine Zeit steht, in der Frauenverachtung Teil der öffentlich akzeptierten Unterhaltung war. In der Szene reagiert ein Machotyp mit körperlicher Demütigung auf eine vermeintlich „dumme Frage“ einer Frau.

Der Clip wird nicht kontextualisiert, nicht ironisch gebrochen, nicht kommentiert. Er fungiert allein als Gag. Die satirische Distanz, die solche Mittel eigentlich erfordern würden, bleibt dabei oft aus. Der Witz liegt nicht in der Entlarvung, sondern im bloßen Zeigen.

Auffällig ist zudem, dass diese Form der Zuspitzung kaum öffentliche Resonanz erzeugt. Anders als frühere Raab-Skandale verpuffen die Provokationen nahezu geräuschlos.

Frage muss erlaubt sein

Die Frage, was Stefan Raab eigentlich gegen Gil Ofarim hat, lässt sich daher nicht persönlich beantworten. Sie verweist vielmehr auf ein mediales Selbstverständnis. Auf einen Entertainer, der seine Erfahrung und Reichweite nicht mehr dazu nutzt, Machtmechanismen sichtbar zu machen, sondern sie zunehmend anwendet.

Raabs Show zeigt einen ungebremsten Tabubrecher, der offenbar darauf vertraut, dass die Bilder schneller verschwinden als ihre Wirkung. Ebenso einen verbissenen Mann, der um Einschaltquoten kämpfen muss, damit sein RTl-Deal hält, was er versprochen hat: Viele Sendeminuten zum Sparpreis.

(red)

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren