Die Jugend im Netz vernetzt sich heute anders

Die Studie "Jugend-Internet-Monitor 2026" registriert eine schwächelnde Nutzung klassischer Social-Media-Kanäle.

26.01.2026 13:01
Redaktion
© Adobe

Der Jugend-Internet-Monitor 2026 zeichnet ein Bild des digitalen Alltags junger Menschen in Österreich. Nahezu alle großen Plattformen verlieren demnach Nutzerinnen und Nutzer, während KI-Chatbots stark an Bedeutung gewinnen. WhatsApp bleibt zwar die meistgenutzte Anwendung, verzeichnet jedoch ebenso Rückgänge wie YouTube, Snapchat, TikTok oder Instagram. Die Schlussfolgerung der Studienautorinnen und -autoren: Soziale Netzwerke verlieren an Relevanz, Nutzungsgewohnheiten verschieben sich, algorithmisch gesteuerter Konsum tritt an die Stelle aktiver sozialer Interaktion.


Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass klassische Social-Media-Formate unter Druck geraten. Plattformen, die auf Kurzvideos, Selbstinszenierung und permanente Sichtbarkeit setzen, werden seltener genutzt als noch im Vorjahr. Gleichzeitig gewinnen KI-gestützte Anwendungen an Reichweite. Chatbots werden zunehmend als alltägliche Werkzeuge wahrgenommen. Ergänzt wird dieses Bild durch Hinweise auf ein gewisses Sättigungsgefühl: Werbung, repetitive Inhalte und belastende Kommentare mindern die Attraktivität vieler Plattformen.

Verschiebung statt Rückzug

Die Studie interpretiert diese Entwicklungen als Anzeichen eines grundlegenden Wandels. Jugendliche würden sich weniger in sozialen Netzwerken aufhalten, dafür gezielter und funktionaler mit digitalen Angeboten umgehen. Kurzvideos dominierten den Plattformalltag, während direkte Kommunikation an Bedeutung verliere. Soziale Medien, so der implizite Befund, verlieren ihren Charakter als Beziehungsräume und werden zunehmend zu reinen Unterhaltungsangeboten.

Diese Lesart ist innerhalb des gewählten Rahmens schlüssig. Sie beschreibt korrekt, dass sich Aufmerksamkeit verlagert und dass klassische Plattformlogiken an Bindekraft verlieren. Sie erklärt auch, warum Dienste ohne sichtbaren sozialen Druck, etwa Streamingangebote oder KI-Anwendungen, an Attraktivität gewinnen. Der Rückgang wird nicht als Abkehr vom Digitalen gelesen, sondern als Neuordnung.

Wo die Einordnung hinkt

Zum einen bleibt der Begriff „Jugendliche“ sehr weit gefasst. Befragt wurden 11- bis 17-Jährige, also eine Gruppe, die rechtlich, sozial und medial höchst unterschiedlich positioniert ist. Ein erheblicher Teil der abgefragten Plattformen darf laut Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren verwendet werden. Dennoch fließen die Antworten von Kindern und Jugendlichen in gemeinsame Prozentwerte ein.

Zum anderen werden unter einzelnen Markennamen sehr unterschiedliche Dienste zusammengeführt. Kommunikation über Messenger, Austausch in Gaming-Umgebungen, Gruppen-Chats, Voice-Kanäle oder spielinterne Interaktion erscheinen in den Ergebnissen oft nur als Randphänomene. Dabei verlagert sich ein Teil der sozialen Kommunikation genau dorthin: in Discord-Server, In-Game-Chats oder hybride Räume, in denen Kommunikation und Aktivität gleichzeitig stattfinden. Dass klassische Messenger an Bedeutung verlieren, sagt möglicherweise weniger über den Zustand sozialer Beziehungen aus als über das Vorhandensein anderer Anwendungen.

Schließlich bleibt offen, inwieweit passiver Medienkonsum und soziale Interaktion sauber getrennt werden können. Unbestritten ist: Kurzvideos anzusehen ist Nutzung, aber keine Beziehungspflege. Gruppen-Chats, gemeinsames Spielen oder koordinierte Aktivitäten sind hingegen Kommunikation – auch wenn sie nicht unter klassischen Social-Media-Kategorien laufen.

Ein Befund mit offenen Rändern

Der Jugend-Internet-Monitor 2026 liefert wertvolle Daten über Verschiebungen im digitalen Alltag. Er zeigt, dass Aufmerksamkeit neu verteilt wird und dass funktionale Angebote an Bedeutung gewinnen. Was er weniger präzise abbildet, ist die Vielfalt sozialer Räume jenseits klassischer Plattformen. Und was schlichtweg der Lebensrealtät entspricht, aber rein rechtlich einfach nicht zusammenpasst, ist die Verknüpfung von Kindern und Jugendlichen.

(APA/red)

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