Neuer Takt für TikTok in den USA
Mit einer neuen Eigentümerstruktur sichert TikTok die Fortführung seines US-Geschäfts nach monatelanger politischer Unsicherheit.
Das US-Geschäft der Videoplattform TikTok ist offiziell in eine neue Gesellschaft überführt worden. Hintergrund sind anhaltende politische und sicherheitspolitische Bedenken in den Vereinigten Staaten wegen des chinesischen Mutterkonzerns Bytedance. Mit der Neustrukturierung gilt die Zukunft von TikTok in den USA vorerst als gesichert. Die neue Firma trägt den Namen TikTok USDS. Bytedance bleibt mit einem Anteil von knapp 20 Prozent beteiligt, gibt jedoch die Kontrolle über das US-Geschäft ab. Auf den Betrieb von TikTok außerhalb der Vereinigten Staaten, etwa in Europa, hat die Umstrukturierung keine Auswirkungen.
Gesetzlicher Druck und politische Verzögerungen
Grundlage für den Umbau ist ein vor rund einem Jahr in Kraft getretenes US-Gesetz, das verlangte, dass sich Bytedance von der Kontrolle über TikTok in den USA trennt. Andernfalls hätte der Plattform ein Verbot gedroht. Das Gesetz wurde parteiübergreifend unter Präsident Joe Biden verabschiedet. Sein Nachfolger Donald Trump setzte die Umsetzung jedoch kurz nach Amtsantritt aus und verlängerte die Fristen für eine Lösung mehrfach. Trump hatte wiederholt betont, TikTok im Land erhalten zu wollen, auch wenn dies zeitweise unter Umgehung der gesetzlichen Vorgaben geschah.
Bekannte Investoren an Bord
Die Eigentümerstruktur des neuen Gemeinschaftsunternehmens entspricht weitgehend den zuvor bekannt gewordenen Plänen. Der Softwarekonzern Oracle sowie die Investmentgesellschaften Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu Dhabi halten jeweils 15 Prozent. Weitere Anteile liegen unter anderem beim Unternehmer Michael Dell und dem französischen Investor Xavier Niel. Zum Geschäftsführer von TikTok USDS wurde Adam Presser ernannt, der bereits zuvor in leitender Funktion bei TikTok tätig war. Der bisherige TikTok-Chef Shou Chew erhält einen Sitz im siebenköpfigen Verwaltungsrat. Medienunternehmer Rupert Murdoch, dessen Beteiligung zeitweise im Raum stand, ist nicht Teil des Unternehmens.
Sicherheitsbedenken als Auslöser
Die Diskussion um TikTok hatte sich in den USA über Monate zugespitzt, da Bytedance seinen Sitz in Peking hat. Kritiker befürchteten einen möglichen Zugriff chinesischer Behörden auf Nutzerdaten oder eine politische Einflussnahme über die Plattform. TikTok und Bytedance wiesen diese Vorwürfe stets zurück. Dennoch sah das US-Gesetz einen Eigentümerwechsel als notwendig an. Trump setzte die Regelung zwar aus, begründete dies jedoch mit dem Ziel, TikTok weiterhin für Millionen Nutzer im Land verfügbar zu halten.
Rolle von Oracle und politische Kritik
Wie bereits zuvor angekündigt, sollen die Daten der US-Nutzer in Rechenzentren von Oracle gespeichert werden. Vertreter der Demokraten äußerten zuletzt die Sorge, dass der Deal Trump und mit ihm verbundenen Unternehmern zusätzlichen Einfluss auf Inhalte und Strukturen der Plattform verschaffen könnte. Oracle wird von Larry Ellison kontrolliert, einem langjährigen Unterstützer Trumps. Nach dem Kauf des Medienkonzerns Paramount durch Ellisons Familie war es beim Fernsehsender CBS zu Veränderungen in der Nachrichtenredaktion gekommen, was in den USA ebenfalls kritisch diskutiert wurde.
Algorithmus unter US-Kontrolle
Ein zentraler Streitpunkt bleibt der TikTok-Algorithmus, der bestimmt, welche Inhalte Nutzern angezeigt werden. US-Behörden hatten wiederholt davor gewarnt, dass China darüber Einfluss nehmen könnte. Nach Angaben der US-Regierung erhielt das neue Gemeinschaftsunternehmen eine Kopie der Software. Diese soll geprüft und ausschließlich mit Daten von US-Nutzern neu trainiert werden. Kritiker bezweifeln jedoch, dass dies ausreicht. Das Gesetz schreibt vor, dass weder die chinesische Regierung noch Bytedance Kontrolle über den Algorithmus ausüben dürfen.
(APA/red)