So positioniert Marc Zimmermann den Sender N1
Nach der Übernahme von NÖN-TV erklärt der neue Inhaber sein wirtschaftliches und redaktionelles Konzept.
Der Markenwechsel von NÖN-TV zu N1 ist vollzogen. Website, On-Air-Design und Programmauftritt zeigen bereits den alten, neuen Namen. Was bislang wie ein formaler Akt wirkte, bekommt nun inhaltliche Konturen: Mit der Vertragsunterzeichnung übernimmt Marc Zimmermann den Sender operativ – und beschreibt im Gespräch mit ExtraDienst erstmals ausführlich, warum der Deal für ihn wirtschaftlich wie strategisch Sinn ergibt.
Anders als vermutet ging die Initiative nicht von ihm aus. Das Niederösterreichische Pressehaus sei bereits im Oktober an ihn herangetreten, schildert Zimmermann. In der Folge habe er Einblick in Verträge, Kostenstruktur und laufende Verpflichtungen erhalten. Entscheidend für seine Entscheidung sei gewesen, ob sich der Sender ohne dauerhafte Zuschüsse führen lasse – eine Frage, die Zimmermann nach eigener Prüfung bejaht.
Fixe Erlöse, überschaubare Kosten
Basis des Geschäftsmodells sind langfristige Verträge mit niederösterreichischen Gemeinden. Rund 14 Kommunen sichern dem Sender über mehrere Jahre fixe Einnahmen. Dieser stabile Sockel habe die Gründung der N1 Media GmbH erst sinnvoll gemacht. Zusätzlich setzt Zimmermann auf Synergien mit seiner bestehenden Produktionsfirma Pop-Up Media: Studio, Schnittplätze, Grafik und Infrastruktur werden gemeinsam genutzt, externe Mietkosten entfallen.
Der Mediensitz ist in Klosterneuburg, das Studio befindet sich in Wien. Inhaltlich sieht Zimmermann den Sender klar in Niederösterreich verankert. Zusätzlicher Content werde nur dann aufgenommen, wenn er einen regionalen Bezug habe – etwa Dokumentationen oder Serien, die bislang im Archiv lagen und nun erstmals ausgespielt werden.
Rückkehr zu einer bekannten Marke
Die Entscheidung für den ursprünglichen Namen N1 sei rasch gefallen. Die Marke existiert seit 2001 und feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Für Zimmermann war klar, dass dieser Markenkern weitergeführt wird – auch als bewusste Abgrenzung zur Phase der Umbenennung in NÖN-TV ab 2022. Der Sender knüpft damit an eine frühere Identität an, ohne das bestehende redaktionelle Profil grundsätzlich neu aufzusetzen.
Gemeinden statt Landespolitik
Der kommunale Fokus ist entscheidend. Zimmermann beschreibt die Gemeinden als zentrale Partner – nicht das Land Niederösterreich, nicht Kammern oder Interessenvertretungen. Ergänzend zum linearen Programm sollen Social-Media-Pakete entstehen, die Gemeinden und Unternehmen gestatten, TV-Beiträge auch auf anderen Kanälen auszuspielen. Klassisches Fernsehen bleibe wichtig, müsse aber durch digitale Reichweiten ergänzt werden.
Wir haben Marc Zimmermann zu seinen Plänen befragt – lesen Sie hier einen Auszug des Interviews:
ExtraDienst: Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, den Sender zu übernehmen?
Marc Zimmermann:
Der entscheidende Punkt war, dass ich mir den Sender nicht als Liebhaberei leisten wollte, sondern als wirtschaftlich abbildbares Projekt. Ich habe Einblick in die bestehenden Verträge und die Kostenstruktur bekommen und relativ rasch gesehen, dass es einen fixen Umsatz gibt, der bereits vorhanden ist. Diese mehrjährigen Verträge mit niederösterreichischen Gemeinden schaffen eine stabile Basis. In Zeiten, in denen Medien wirtschaftlich unter Druck stehen – egal ob Print oder Bewegtbild – war das für mich die Grundvoraussetzung, überhaupt weiterzudenken.
ExtraDienst: Sie sprechen die Wirtschaftlichkeit an. Wo liegen konkret die Hebel?
Zimmermann:
Der zweite große Hebel sind die Overhead-Kosten. Ich kann sehr viele Dinge mit meinem bestehenden Unternehmen bündeln: Studio, Schnittplätze, Grafik, Infrastruktur. Das sind Kosten, die nicht direkt die Produktion betreffen, aber enorm ins Gewicht fallen. Wenn man diese senken kann, ohne Qualität einzubüßen, wird ein Regionalsender plötzlich realistisch betreibbar. Genau das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Das kann funktionieren, ohne dass ich dauerhaft zuschießen muss.
ExtraDienst: Die Marke N1 wurde rasch reaktiviert. Gab es Überlegungen, einen neuen Namen zu etablieren?
Zimmermann:
Nein, eigentlich nicht. Diese Entscheidung war in wenigen Sekunden gefallen. Die Marke N1 existiert seit 2001, sie feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen und ist in Niederösterreich bekannt. Sie wurde von Hans Wagner aufgebaut, genauso wie andere regionale Marken. Für mich war klar, dass ich diesen Markenkern weiterführe. Ich halte es für wichtig, vorhandenes Vertrauen nicht leichtfertig aufzugeben, sondern daran anzuknüpfen.
ExtraDienst: Gibt es externe Investoren oder stille Beteiligungen im Hintergrund?
Zimmermann:
Nein. Ich bin Alleineigentümer und alleiniger Geschäftsführer. Der Kaufpreis bewegt sich in einem Rahmen, der privat stemmbar ist. Wir sprechen hier nicht von Millionenbeträgen. Entscheidend ist ja nicht die absolute Höhe, sondern ob sich der Betrag aus der laufenden wirtschaftlichen Tätigkeit refinanzieren lässt – und das ist hier der Fall.
ExtraDienst: Wird sich mit dem neuen Eigentümer auch die redaktionelle Linie verändern?
Zimmermann:
Grundsätzlich nicht. Der Sender ist regional ausgerichtet und das soll er bleiben. Ich möchte die Handschrift der Regionalität sogar noch stärker betonen. Bei zusätzlichem Content stelle ich mir immer die Frage: Bildet er Niederösterreich ab oder nicht? Wenn ja, passt er auf den Sender. Wenn nein, dann eher nicht. Das ist meine Leitlinie.
ExtraDienst: Welche Rolle spielen künftig digitale Kanäle und Social Media?
Zimmermann:
Eine größere als bisher. Fernsehen hat nach wie vor eine hohe Glaubwürdigkeit, aber Gemeinden stellen sich heute zurecht die Frage, wie sie ihre Bürger tatsächlich erreichen. Deshalb ist es mein Auftrag, Inhalte nicht nur linear auszustrahlen, sondern auch als Social-Media-Pakete anzubieten. Drei- oder vierminütige TV-Beiträge müssen auch in kürzeren digitalen Formaten funktionieren. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung.
(red/key)

