45 Kündigungen bei ProSiebenSat.1 PULS 4

Die Zusicherung, Entlassungen zu vermeiden, hat nicht gehalten: ProSiebenSat.1 PULS 4 baut 45 Stellen in Wien ab und strafft Abläufe

20.02.2026 9:43
red04
© ProSiebenSat.1
ProSiebenSat.1 Zentrale in Unterföhring.

Wenn heutige Medien darüber berichten, dass bei ProSiebenSat1 Puls4 45 Mitarbeiter in Wien abgebaut werden, dann ist offensichtlich schon vergessen, was ExtraDienst am 11.12.2025 berichtete. Blicken wir zurück.

Damals ging es darum, dass der neue ProSiebenSat.1-Eigner MFE unter Chef Pier Silvio Berlusconi einen neuen Geschäftsplan für die Sendergruppe aufstellen wollte. Und man tönte großartig: „Wir werden alles tun, um einen Stellenabbau zu vermeiden. Ich kann nicht versprechen, dass es nie passieren wird, aber unser Integrationsplan, um Synergien zu erzielen, sieht zum jetzigen Zeitpunkt keine Entlassungen vor.“

Und jetzt?

Restrukturierung mit Ansage

Wie das Unternehmen nun bekanntgab, werden im Zuge einer Neuausrichtung am Standort Wien 45 Stellen gestrichen. Betroffen ist die österreichische Sendergruppe rund um ProSiebenSat.1 PULS 4. Die Maßnahme wird mit einem „Fokus auf das Kerngeschäft“ und Effizienzsteigerungen begründet. Strukturen sollen verschlankt, Abläufe gebündelt, Doppelgleisigkeiten abgebaut werden. Offiziell verweist man darauf, dass sich der Medienmarkt massiv verändert habe. Steigende Produktionskosten, rückläufige Werbeeinnahmen im linearen TV und der wachsende Druck durch internationale Streamingplattformen erforderten Anpassungen. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.

Betroffene Bereiche

Mehrere Bereiche sind direkt von den Kürzungen betroffen. Die Sendergruppe setzt die bereits 2025 eingeleitete Reduktion des textbasierten Nachrichtenangebote konsequent fort: Textnachrichten und Online-Textangebote werden weiter reduziert, während die Ressourcen stärker auf Bewegtbildinhalte konzentriert werden. Auch die Sportredaktion wird organisatorisch neu ausgerichtet und enger mit der tagesaktuellen Redaktion verzahnt. Obwohl Sport weiterhin Teil des Programms bleiben soll – etwa mit Übertragungen von US Open, DFL-Spielen oder Nations League-Spielen – erfolgt die journalistische Betreuung künftig in geänderter Struktur. Im Studiobetrieb führen digitale Automatisierungsprozesse dazu, dass bisher notwendige Aufgaben entfallen und damit Stellen wegfallen. Parallel dazu werden Verwaltungs- und Managementbereiche gestrafft und Doppelgleisigkeiten aufgelöst.

Unternehmenssicht und Rahmenbedingungen

Seitens des Managements wird der Schritt als „schwere, aber notwendige Entscheidung“ bezeichnet, die unternehmerisch verantwortungsvoll getroffen worden sei. Zugleich wird betont, dass trotz der Einsparungen weiterhin rund 50 Prozent der finanziellen Mittel in Programm-Investitionen fließen sollen. Als Begründung verweist das Unternehmen auf die bekannten Herausforderungen des Marktes: sinkende Werbeeinnahmen im klassischen TV, steigende Produktionskosten und der wachsende Wettbewerb durch internationale Streaminganbieter. Diese Entwicklungen sind unbestritten – sie dienen inzwischen allerdings nahezu flächendeckend als Argumentationsrahmen für strukturelle Einschnitte in der Branche.

Sozialplan-Verhandlungen

Parallel zum angekündigten Stellenabbau wurden Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan aufgenommen. Dieser soll über die gesetzlichen Ansprüche hinausgehen und gestaffelte Leistungen je nach Alter, Betriebszugehörigkeit und familiärer Situation vorsehen. Damit wird versucht, die sozialen Auswirkungen der Maßnahme abzufedern und den Übergang für die Betroffenen planbar zu gestalten. Ob dies, im Gegensatz zu der Zusicherung, dass keine Stellen gekürzt werden sollen, eingehalten wird, bleibt abzuwarten.

Was lernen wir daraus? Versprechungen, was den Personalstand betrifft, sind nichts anderes als Schall und Rauch.

(red)

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