Die ORF-Redaktionsvertretung hat sich in einer Presseaussendung zu den jüngsten Berichten über umstrittene Dokumentationsproduktionen auf ORF III geäußert. Anlass sind Veröffentlichungen der Tageszeitung Der Standard sowie des Formats Die Dunkelkammer, in denen über Fernsehproduktionen rund um die ÖBB, die Wirtschaftskammer und weitere Institutionen berichtet wurde, die auf ORF III ausgestrahlt worden sein sollen. Die Stellungnahme richtet sich ausdrücklich auf die Einhaltung journalistischer Standards innerhalb des ORF und verweist auf die Gültigkeit des Redaktionsstatuts sowie des Verhaltenskodex auch für ORF III als Tochterunternehmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Kritik an möglichen Einflussnahmen
In der Aussendung betont der Redaktionsrat, es dürfe „nicht einmal der Eindruck entstehen“, dass Berichterstattung im ORF käuflich sei. Ein solcher Eindruck gefährde das Vertrauen des Publikums in die Unabhängigkeit der journalistischen Arbeit. Kritisiert wird insbesondere, dass offenbar externe Produzenten im Auftrag von Geldgebern Dokumentationen erstellt hätten, die anschließend als journalistische Inhalte auf ORF III ausgestrahlt worden seien. Nach Ansicht der Redaktionsvertretung widerspreche dies den geltenden internen Regeln sowie dem Verständnis von Qualitätsjournalismus im ORF. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass auch extern produzierte Dokumentationen denselben Qualitäts- und Unabhängigkeitsstandards entsprechen müssten wie Eigenproduktionen des Senders.
Verweis auf journalistische Unabhängigkeit
Die ORF-Redaktionsvertretung hebt in der Presseaussendung hervor, dass die journalistische Arbeit der ORF-Redaktionen – ausdrücklich auch jener von ORF III – unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen erfolgen müsse. Jede Form der Einflussnahme auf redaktionelle Inhalte sei unzulässig und müsse Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei wird auch auf den wirtschaftlichen Druck verwiesen, unter dem ORF III stehe. Dennoch dürfe Sparzwang nicht dazu führen, dass die Glaubwürdigkeit des Unternehmens aufs Spiel gesetzt werde.
Frühere Vorwürfe
In der Stellungnahme wird außerdem auf frühere interne Vorwürfe gegen ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber verwiesen. Vor mehr als eineinhalb Jahren hätten rund 60 Mitarbeiter vor der sogenannten „Schöber-Kommission“ ausgesagt. Dabei sei es um Führungsverhalten, Mobbingvorwürfe sowie mutmaßliche Einflussnahme auf die redaktionelle Berichterstattung gegangen. Laut der Redaktionsvertretung wurde der Bericht der Kommission nicht veröffentlicht. Zudem seien die damals angekündigten Konsequenzen durch Generaldirektor Roland Weißmann aus Sicht der Kritiker unzureichend gewesen.
Forderung nach Konsequenzen
Abschließend fordert die ORF-Redaktionsvertretung, dass Fehlverhalten – auch auf Führungsebene – Konsequenzen haben müsse. Ziel müsse es sein, das Vertrauen des Publikums in eine unabhängige und objektive Berichterstattung sicherzustellen. Zugleich wird verlangt, dass vergleichbare Dokumentationsproduktionen künftig nicht mehr ausgestrahlt werden.
(PA/red)