Die Spitze der Opernball-Peinlichkeiten
Guerilla-Marketing lebt von unkonventionellen und manchmal schlicht peinlichen Aktionen, die die Leute nicht so schnell vergessen.

„Guerilla-Marketing – was ist das?“, frug ich mich vor vielen Jahren.
ChatGPT meint dazu: „Guerilla-Marketing ist eine Marketingstrategie, die darauf abzielt, mit unkonventionellen, kreativen und oft überraschenden Methoden Aufmerksamkeit für ein Produkt, eine Marke oder eine Dienstleistung zu erzeugen. Anders als klassische Werbung, die auf große Budgets und standardisierte Medien wie TV, Print oder Radio setzt, nutzt Guerilla-Marketing oft kleine Budgets, kreative Ideen und direkte Interaktion mit der Zielgruppe, um eine starke Wirkung zu erzielen.“
Sprich: Mit manchmal kontroversen und unsauberen, in jedem Fall unkonventionellen Aufreger-Aktionen die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich und das eigene Produkt zu lenken.
Doch die Sache ist wie ein Gang über ein Drahtseil. Wenn man da im falschen Moment einen Spagat macht, kann man sich die Weichteile nachhaltig verletzen. Abstürze passieren in vielen Fällen von Guerilla-Marketing.
So auch beim Influencer MaxaMillion, der auf dem Opernball in Begleitung von seiner Mitarbeiterin Joanna auftauchte. Dieselbe kam in einem weißen Kleid mit Socken, in denen Zehn-Euro-Scheine waren.
Im Interview machte sich dann das Aushängeschild von Influencer Maximilian Weißenböck wichtig und meinte, das Kleid sei ja durch die Zehn-Euro-Scheine, die man entnehmen könne, wenn man GameChangers folgt, nicht weiß. Sasa Schwarzjirg (Krone TV), die das am Red Carpet abfragte, verdrehte danach die Augen.
In den sozialen Netzen schwankten die Kommentare dazu zwischen Entsetzen, Verachtung und Verwunderung, wie man nur auf so eine Idee kommen kann.
Das, nachdem erst im November eine Aktion für Aufregung sorgte, als der Influencer all seine Möbel in die Hälfte sägte, um auf seinen -50 % Sale aufmerksam zu machen.
Dann folgte der nächste Coup. Wenn man der Sockenmarke GameChangers auf Instagram folgt, soll man eine Direktnachricht mit einem Zehn-Euro-Gutschein zugesendet bekommen. Eine ExtraDienst-Redakteurin hat die Sache bereits letzte Woche ausprobiert. Sie meint: „Das Ganze funktioniert überhaupt nicht. Ich bin GameChangers gefolgt, hat aber nicht geklappt.“
Wie man mit Socken-Verkauf hoch steigen und tief fallen kann, bewies ja seinerzeit Wolfgang Cyrol mit seinen Neuro Socks. Vom Pleitier zum Millionär. Und wieder retour. Ausgerutscht auf seinen Socken.
Fazit: Guerilla-Marketing kann manchmal ganz witzig sein. Manchmal peinlich.
Auf jeden Fall hat es eines gebracht: mediale Präsenz und Aufmerksamkeit. Und vielleicht ist dem Influencer sowieso ja alles andere wurscht. Und seine dicke Haut ist von den Socken geschützt, die er an den Mann/die Frau bringen will. Und die Peinlichkeit geht ihm am Arsch vorbei.
Denn letztendlich geht es da nur um eine einzige Sache: In den Medien vorzukommen. Um jeden Preis. Koste es, was es wolle. Und sei es auch ein paar Tausender in Zehn-Euro-Scheinen.
cwm
Das sagt Weißenböcks PR-Manager Tomas Veres Ruzicka:
- ExtraDienst: „Wir haben das ausprobiert, dass wir dem Account folgen, um einen Gutschein zu erhalten, aber es hat nicht funktioniert.“ Einige Sekunden Stille, dann: „Okay, na gut… Das muss ich weitergeben. An was das liegen kann, weiß ich nicht. Vielleicht dauert das auch ein bisschen länger.“ ExtraDienst: „Wir haben das schon vor einer Woche oder so gemacht.“ Veres Ruzicka rief später nochmals an und meinte, dass man manchmal noch eine Nachricht hinterherschicken muss, weil das mit der Automatisierung nicht immer so klappt. So wird das aber nicht kommuniziert.
- „Man kann nur auffallen, indem man was Verrücktes macht, von dem auch viele Menschen sagen, dass das nicht so toll ist. Sonst funktioniert das ja auch irgendwie nicht. Man kann es nicht schaffen, bei so einer Öffentlichkeit nur Fans zu bekommen.“
- „Da denkt Max gar nicht so ins Detail nach, was das für Folgen haben könnte oder wer da dann etwas daran auszusetzen haben könnte.“ Sehr interessant, weil er gleichzeitig auch betont, dass diese Aktionen ja bewusst und gezielt stattfinden.
- „Am Ende des Tages kommt ja niemand zu Schaden. Ob er jetzt seine Möbel zersägt oder nicht – ich mein, das ist ja quasi seine Sache. Das ist jetzt kein großes Drama.“
