Amazon startet Extra-Cloud für Europa

Der Betrieb der europäischen AWS-Cloud soll notfalls unabhängig vom US-Konzern Amazon möglich sein.

15.01.2026 11:37
Redaktion
© Adobe
Amazon Web Services Zentrale in Houston, Texas, USA

Der weltgrößte Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) hat eine unabhängige Cloud für Europa zum Speichern und Verarbeiten von Daten vorgestellt. Die Rechenzentren der AWS European Sovereign Cloud seien physisch als auch rechtlich von den übrigen Servern des Konzerns getrennt, teilte der US-Onlinehandelsriese am Mittwoch mit.

Durch Kontrollen, Souveränitätszusicherungen und rechtliche Schutzmaßnahmen werde den Anforderungen an die Verarbeitung von sensiblen Daten europäischer Regierungen und Unternehmen Rechnung getragen.

Damit reagiert AWS auf die Sorgen europäischer Kunden vor einem Zugriff von US-Behörden auf ihre Daten. Der “Cloud Act” verpflichtet US-Firmen dazu, US-Behörden auch dann Einblick zu gewähren, wenn die Daten außerhalb der USA gespeichert werden. Viele ausländische Cloud-Nutzer stellen sich daher die Frage, ob ihre Daten bei den sogenannten Hyperscalern AWS, Microsoft und Google sicher sind.

Erstes Rechenzentrum in Brandenburg

Das erste Rechenzentrum der europäischen AWS Cloud entstehe in Brandenburg, erläuterte Michael Hanisch, Technologiechef bei AWS Deutschland, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Langfristig kämen weitere Standorte im In- und Ausland hinzu. Das Investitionsvolumen belaufe sich auf mehr als 7,8 Milliarden Euro. Eine Zielmarke für eine Zahl an Kunden der europäischen Cloud habe sein Unternehmen nicht.

Betrieben und überwacht werde die europäische AWS-Cloud von einer deutschen Firma, deren Geschäftsführung und Beirat mit EU-Bürgern besetzt sei, fügte Hanisch hinzu. Sämtliche Beschäftigten hätten mindestens einen Wohnsitz in der Europäischen Union (EU) und eine EU-Arbeitsgenehmigung. Langfristig sollen ausschließlich EU-Bürger eingesetzt werden.

Der Betrieb der europäischen AWS-Cloud könne auch dann aufrechterhalten werden, wenn die EU vom Internet abgetrennt wäre oder die USA den Export von Software verbieten würden, betonte Hanisch. Eine aktuelle Kopie der Server-Software werde in hiesigen Rechenzentren gespeichert. Die Programme könnten in den europäischen AWS-Entwicklungszentren bei Bedarf gewartet oder ergänzt werden.

Auch Microsoft und Google buhlen um Kunden

Auch die beiden anderen großen US-Cloudanbieter Microsoft und Google buhlen um Kunden mit erhöhten Anforderungen an Datensicherheit. Microsoft speichert die Daten europäischer Kunden auf Wunsch ausschließlich in heimischen Rechenzentren. Dort arbeiten den Angaben zufolge Beschäftigte mit Wohnsitz in der Europäischen Union (EU), die eventuell notwendige Fernzugriffe von Microsoft-Beschäftigten aus dem außereuropäischen Ausland genehmigen müssen und deren Arbeit in Echtzeit überwachen. Die Alphabet-Tochter Google kündigte im Herbst Rekordinvestitionen von 5,5 Milliarden Euro in deutsche Rechenzentren an.

Auch deutsche Unternehmen wollen vom Trend zu einer stärkeren digitalen Eigenständigkeit profitieren. So rüstet die Deutsche Telekom eines ihrer Rechenzentren mit Tausenden Spezialprozessoren auf, um eine industrielle KI-Cloud anzubieten. Der Webhoster und Cloud-Anbieter Ionos bietet in Zusammenarbeit mit der deutschen Softwarefirma Nextcloud eine Alternative zur Bürosoftware Office von Microsoft an. Zudem will die Tochter von United Internet mithilfe ihrer Plattform “Momentum” heimischen Mittelständlern den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) erleichtern.

(APA/red)

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