Unbequem, aber nicht überraschend

exxpress startet ein neues politisches Meinungsformat: „Unbequem ehrlich" mit Laura Sachslehner.

03.02.2026 14:00
Redaktion
© exxpress
„Unbequem ehrlich“ mit Laura Sachslehner

Man kann die erste Ausgabe von „Unbequem ehrlich“ als Moderationsdebüt lesen. Oder als das, was es inhaltlich ist: ein sauber inszenierter Übergang von Parteipolitik in den meinungsstarken Medienbetrieb. Laura Sachslehner präsentiert sich so wie man sie kennt und eröffnet ihre erste exxpress-Sendung mit einem Versprechen: Tabulosigkeit, Ehrlichkeit, kritische Analyse. Geliefert wird vor allem eines: ein Gegenstück zur medialen Wirklichkeit.

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Ein Thema, viele Wiederholungen

Formell widmet sich Sendung #1 der Medienpolitik von Andreas Babler. Tatsächlich aber dient der Medienminister weniger als Untersuchungsgegenstand denn als Projektionsfläche. Die Sendung arbeitet sich entlang mehrerer bekannter Narrative: linke Deutungshoheit, moralische Etikettierung, „Fake News“ als politisches Kampfwort, öffentlich-rechtliche Medien als parteiische Akteure.

„Unbequem ehrlich“ mit Laura Sachslehner auf exxpress | © exxpress

Neu ist daran wenig. Auffällig ist vielmehr die Konsequenz, mit der sämtliche Aspekte – Medienförderung, Medienkompetenz, ORF, „Der Standard“, Schulprojekte – zu einem einzigen Argumentationsstrang verschmolzen werden: Wer nicht dieser Weltsicht folgt, ist Teil des Problems.

Warum Journalismus so betrieben wird

„Unbequem ehrlich“ ist kein journalistisches Format im klassischen Sinn. Die Sendung ist Kommentar, Wertung und Mobilisierung zugleich. Das ist kein handwerklicher Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung. Der Stil folgt einem medienstrategischen Kalkül: Zuspitzung schlägt Komplexität, Empörung ersetzt Empathie, Wiederholung erzeugt Gewissheit. In einem fragmentierten Medienmarkt funktioniert das – vor allem dort, wo Publikum nicht überzeugt, sondern bestätigt werden will.

Formate wie dieses entstehen nicht aus einem Missverständnis von Journalismus, sondern aus seiner Neudefinition. Sie bedienen ein Publikum, das sich vom „Mainstream“ entfremdet fühlt. Das Misstrauen gegenüber etablierten Medien pflegt. Und politische Konflikte bevorzugt als Kulturkampf liest. „Unbequem ehrlich“ ist damit weniger Diskussionsangebot als Identitätsangebot.

Sachslehner als logische Besetzung

Vor diesem Hintergrund ist Laura Sachslehner keine zufällige Moderatorin, sondern die naheliegende Wahl. Sie bringt genau das mit, was dieses Format braucht: klare Frontstellungen, politische Sozialisation im konservativen Vorfeld, rhetorische Härte und Anschlussfähigkeit nach rechts.

Ihre politische Vergangenheit ist dabei kein Ballast, sondern Kapital. Sie moderiert nicht trotz ihres ÖVP-Hintergrunds so, sondern wegen ihm. Die Sendung wirkt weniger wie ein journalistischer Neubeginn als wie die Fortsetzung politischer Arbeit mit anderen Mitteln.

Parteifernsehen ohne Parteibuch

Ist das noch Journalismus oder bereits Parteifernsehen? Formal Letzteres nicht. Faktisch aber erfüllt die Sendung genau jene Funktion, die parteinahe Medien traditionell übernehmen: Stabilisierung des eigenen Weltbilds, Delegitimierung politischer Gegner, moralische Aufladung der eigenen Position.

„Unbequem ehrlich“ ist kein mutiges Experiment, sondern ein erwartbares Produkt. Es polarisiert nicht aus Versehen, sondern aus Überzeugung. Es analysiert nicht, es ordnet zu. Und es informiert nicht, sondern positioniert.

Für Exxpress ist das konsequent. Für Laura Sachslehner ist es ein stimmiger Rollenwechsel ohne Bruch. Und für ein bestimmtes Publikum ist es genau das, was es sucht: Argumente und Bestätigung.

Unbequem ist daran wenig. Ehrlich ist höchstens die Klarheit, mit der hier Journalismus und politische Mission ineinanderfallen.

(red)

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