25 Jahre Wikipedia: Zwischen Erfolg und Wandel

Die Enzyklopädie bleibt ein zentraler Wissensspeicher, sieht sich aber sinkenden Klickzahlen, rückläufigen Autorenzahlen und zunehmender KI-Nutzung gegenüber.

15.01.2026 10:54
red04
© Adobe Stock
Am 15. Jänner 2001 ging Wikipedia ins Netz.

Wikipedia feiert heute ihr 25-jähriges Bestehen. Was am 15. Jänner 2001 als kleines Mitmach-Projekt zur Ergänzung einer akademisch geschriebenen Enzyklopädie begann, hat sich zur größten freien Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte entwickelt. Mit rund 71 Millionen Artikeln in mehr als 300 Sprachen ist Wikipedia einer der meistbesuchten Websites weltweit und wird monatlich fast 15 Milliarden Mal aufgerufen.

Nicht ohne Spannung

Wikipedia ist heute weit mehr als ein Nachschlagewerk: Sie dient als Informationsquelle für Studierende, Journalisten, Lehrende, aber auch als Datenbasis für Suchmaschinen und KI-Systeme. Die Inhalte werden von einer globalen Gemeinschaft ehrenamtlicher Autoren erstellt, die zu Tausenden jeden Monat neue Beiträge liefern. Ihre Daten werden tatsächlich von großen Sprachmodellen und Suchdiensten genutzt, um Antworten und Zusammenfassungen zu generieren. Doch gerade diese Nutzung durch Künstliche Intelligenz wirft Fragen auf: Während KI-Anbieter wie Microsoft, Meta, Amazon oder spezialisierte KI-Startups Wikipedias Inhalte in ihre Systeme einspeisen und davon profitieren, zahlt nur ein Teil dieser Firmen freiwillig Beiträge an die Wikimedia Foundation – etwa im Rahmen des „Wikimedia Enterprise“-Programms, das strukturierten Zugang zu Wikipedia-Daten gegen Entgelt bietet.

Weniger Klicks und Autoren

Offizielle Daten zeigen, dass Wikipedia weiterhin immense Zahlen vorweisen kann: täglich hunderte Millionen Klicks, Milliarden von Seitenaufrufen pro Jahr und weltweit Millionen aktiver Nutzer. Doch neueste Analysen deuten auf eine leichte Abnahme von Klickzahlen bei menschlichen Besuchern hin – ein Effekt, der mit dem Aufstieg von KI-Suchtools und automatisierten Antwortsystemen zusammenhängen könnte, die viele Nutzer direkt Antworten liefern, ohne dass sie Wikipedia selbst aufrufen müssen. Zudem berichten Beobachter und langjährige Mitwirkende, dass die Zahl der aktiven neuen Autoren rückläufig sein könnte und die Community vor Herausforderungen steht, junge Freiwillige langfristig zu gewinnen. Diese Entwicklung könnte mittelfristig auch die Aktualität und Vielfalt der Inhalte beeinflussen.

Technischer Wandel

Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, wie Wikipedia mit KI selbst umgehen soll: Die offizielle Haltung der Community ist klar – generative KI soll nicht Artikel verfassen oder editieren, sondern höchstens unterstützend bei Aufgaben wie der Erkennung von Vandalismus oder der Verbesserung technischer Prozesse eingesetzt werden. Gleichzeitig sucht Wikipedia aktiv nach Wegen, ihre Rolle im digitalen Ökosystem zu sichern: durch Partnerschaften mit großen Tech-Unternehmen, strategische Initiativen zur Einbindung junger Leser und technische Verbesserungen der Plattform.

Wikipedia im Wandel der Zeit

Vor 25 Jahren konnte Wikipedia sich durch die Nutzung des technischen Fortschritts behaupten und schnell zu einer zentralen Wissensquelle im Internet werden. In den zweieinhalb Jahrzehnten seitdem hat sich die digitale Welt jedoch stark verändert. Neue Technologien, vor allem KI-gestützte Such- und Antwortsysteme, haben das Informationsverhalten der Menschen verändert. Dadurch hat sich die Bedeutung von Wikipedia in mehrfacher Hinsicht verschoben: Einerseits bleibt sie eine unverzichtbare Datenbasis und Referenzquelle, andererseits werden manche traditionellen Nutzungsarten wie der direkte Besuch der Plattform weniger. Insgesamt steht Wikipedia heute – in einer Zeit rasanter technologischer Veränderungen – sowohl Chancen als auch Herausforderungen gegenüber, mit denen am 15. Jänner 2001 wohl noch niemand gerechnet hat.

(red)

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