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Die Gerüchte schwirren schon seit Monaten durch die Branche. Denn die anonyme Anzeige, die bei der Korruptions-Staatsanwaltschaft Wien einging, dürfte dort schon einige Monate schlummern, wie Eingeweihte schätzen. Erste Einvernahmen von Genannten/Beschuldigten/Zeugen fanden jedenfalls schon vor Weihnachten statt. Doch wiewohl der Pressesprecher der Korruptions-Staatsanwaltschaft und die zuständige Staatsanwältin Mag. Prior sich praktisch keinerlei Informationen entlocken lassen (gerne wurde dem ExtraDienst-Rechercheteam aber angeboten, sein Wissen und seine Informationen – bei Bedarf auch anonym – mit der Staatsanwaltschaft zu teilen) – enthüllen wir hier und heute erstmals die Details eines schmutzigen Anschwärz-Dramuletts.

 

Wer auch immer die Anzeige verfasst hat – das, was er ATV und Martin Gastinger vorzuwerfen hat, dürfte einem ziemlich kranken Gehirn entsprungen sein. Denn viele der Vorwürfe lösen sich bereits beim ersten Hinsehen in Luft auf. Wer denn das sein könnte, der auf ATV, Gastinger, Herbert Kloiber (und rückwirkend wohl auch auf Dr. Ludwig Bauer) so einen Pick hat, dass er die bis über die Ohren eintunkt, fragt man sich in der Branche dieser Tage.

 

Die alten Römer hatten auf derartige Mutmaßungen stets die beste Antwort parat. Demnach galt es nach dem cui bono zu fragen. Wem nutzt es? Was im vorliegenden Fall vielleicht auch nicht unbedingt zielführend ist. Denn was hat einer, der gefeuert wurde, davon? Außer Rache-Befriedigung? Und einer, der ATV anzündet, weil er keine Aufträge erhält, wird wohl auch künftig leer ausgehen. So viel steht fest.

 

Nun werden wir von ExtraDienst uns hüten, einen von denen, die expressis verbis in der Anzeige genannt sind, dass sie nichts von ATV geerbt hätten (und zwar behauptetermaßen deshalb, weil sie nicht bereit waren, unter der Hand Bares fließen zu lassen) als möglichen Anzeiger zu enttarnen. Das wäre nämlich reine Spekulation. Nehmen wir etwa Markus Andorfer und seine Firma Markant. Die werden in der Anzeige expressis verbis genannt. Markant hätte keine Aufträge von ATV bekommen.

 

Eine Behauptung, die vom ATV Geschäftsführer und Ex-Programmchef Gastinger gegenüber ExtraDienst gerne und blitzschnell korrigiert wird. Gastinger: „Diese Behauptung ist schlichtweg falsch. Herr Andorfer und Markant waren seinerzeit beauftragt, die Sendungen „Ich suche meine Mutter“ und „Ich suche meinen Vater“ zu drehen. Das Problem dabei war schlicht: Die Arbeit brachte nicht den erwünschten Erfolg. Deshalb haben wir auch keine Folge-Aufträge erteilt.“

 

Andorfer selber, der in der Causa bereits einvernommen wurde, spart nicht mit Kritik an ATV: es gäbe detaillierte Vorwürfe gegen das Unternehmen, die seien branchenbekannt und kursierten seit längerem.

 

ExtraDienst macht ihm einen Vorschlag: Wenn er von denen nichts bekommen hätte, dann könne er sich dem Verfahren doch als Privat-Beteiligter anschließen. Mit einem fiktiven Schaden von € 1.000,-. Dann würden er (oder sein Anwalt) Akteneinsicht bekommen und könnten checken, ob dem Unternehmen wahrhaftig etwas entgangen sei. Doch Andorfer lehnt das rundweg ab. Mit gutem Grund. Denn er kennt die Inhalte der Vorwürfe längst. Und bezeichnet sie gegenüber ExtraDienst detailliert und ausführlich und sehr konkret.

 

Eine ganze Reihe von Zeugen wurde in dieser Causa bis dato einvernommen. Nur erstaunlich, dass Gastinger selbst bis dato die anonyme Anzeige nicht in die Hände bekam. Dessen Anwalt, Gerald Ganzger, rang wochenlang darum, endlich eine Abschrift der Vorwürfe zu bekommen. Erst am 29.01.2014 hielt er sie in Händen.

 

Kommentieren möchte er die Causa nicht. Die Anzeige erhielten wir von ExtraDienst auch nicht. Weder von ihm noch von Gastinger. Letztgenannter möchte auch Inhalte der Anzeigenvorwürfe nicht kommentieren. Also gräbt ED weiter und wird anderswo fündig. Nun können wir Gastinger Konkretes vorhalten. Da repostiert er im Klartext: Die Vorwürfe seien zwar detailliert, aber lächerlich. Von ExtraDienst damit konfrontiert, dass ihm etwa vorgeworfen werde, dass seine Frau das Firmenfahrzeug privat nutze und auch betanke, meint Gastinger leichtfüssig: „Wer auch immer das verfasst hat, der kennt halt die Inhalte meines Dienstvertrages nicht. Selbstverständlich darf ich dieses Fahrzeug privat nutzen. Und: Diese Nutzung wird mir von meinem Gehalt abgezogen.“ Und selbstverständlich dürfe auch seine Frau dieses Fahrzeug lenken. Ein Vorgang, der für Geschäftsführer völlig normal ist. Das einzig Ärgerliche daran ist, dass solch eine Privatnutzung sauteuer ist, wie die Geschäftsführerin des Mucha Verlages etwa seit Jahren am eigenen Leib verspüren muss.

 

Aber auch andere durchaus abstruse Vorwürfe zieren die Anzeige. Gastinger habe etwa immer sehr viel Bargeld bei sich. Ob sich daraus Rückschlüsse ziehen lassen, dass einer auch immer wieder Bares aufs Händchen kassiert, wenn die Auftragsglocke klingelt? Lächerlich! Gastinger kann dazu nur grinsen: „Abgesehen davon, dass es schlicht und ergreifend nicht stimmt – alle Deals, die wir in den letzten Jahren abgeschlossen haben, waren sauber, transparent und marktgerecht ganz eng kalkuliert.“

 

Das bestätigt auch ein weiterer Zeuge, der noch vor Weihnachten vom Bundeskriminalamt vernommen wurde. Laszlo Helbig (TV Salon am Naschmarkt) wurde zwei Stunden lang verhört und konnte Einblick in die Akten nehmen. Sein Resümee: „Es gibt keine einzige Zeugenaussage oder keinen einzigen Inhalt, der mir bekannt wurde, der den erhobenen Verdacht, dass es bei ATV und seinen Vergaben unsauber zugegangen sein könnte, erhärtete.“ Helbig mit Zornesader: „Das ist ein übles, mieses Produkt der Neidgesellschaft“. Und erklärt, wie es seiner Meinung nach dazu kommt.

 

Helbig: „Seit Jahren gibt es einen Kreis von Proponenten, die mit ATV und Gastinger bewährt Projekte umsetzen. Und deshalb entsteht natürlich dann auch ein Kreis von jenen, die gerne zum Zug kommen würden, aber nicht drankommen. Wie die in der anonymen Anzeige genannten Markant/Andorfer oder Pop Up Media von Mark Zimmermann.“ Doch auch Letztgenannter produziert für ATV. Und damit erweist sich das Pseudo-Aufdecker-Anzeige-Dokument erneut als Klopapier, denn Zimmermann produziert für ATV derzeit acht Projekte, darunter das „Stadtmagazin“. Und das wissen Insider schon seit längerem. Nur der Anzeiger offenbar nicht.

 

Die „Bares aufs Handerl“-Vorwürfe hält Helbig auch deshalb für „schäbig“, weil sie logisch schnell entkräftet werden könnten. Mit Fakten.

 

Sein Auftragsvolumen schwinde laufend. Er befände sich im stärksten Wettbewerb. In einem fragmentierten Markt, in dem die Kunden, sprich die TV-Sender, mit stetig sinkenden Werbe-Einnahmen konfrontiert seien, werde der Druck auf die Lieferanten immer größer. Da werde so knapp kalkuliert, dass nichts mehr drinnen sei. Einzig beim ORF gäbe es noch „unzeitgemäße Old-Fashion-Aufträge“, sicher nicht bei ATV, meint Helbig.

 

Helbig: „Ich hoffe, dass man meinem Partner und mir als Unternehmer das Recht zugesteht, Gewinne zu machen. So wie jedem anständigen Unternehmen. Bei dem Umsatz, den wir im letzten Jahr gemacht haben (nach Branchen-Schätzungen rund 1 Mio Euro) haben wir ganz knapp kalkulieren müssen.

 

Derweil überlegt sich Gastinger, wie viel Bargeld er künftig noch in seiner Brieftasche haben kann, ohne eine weitere Anzeige zu riskieren. Und wundert sich, warum ihm in der Untergriff-Parade auch vorgeworfen wurde, welche Bilder in seinem Zimmer hängen. Der Anzeiger dürfte kein Kunstbegeisterter gewesen sein …