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Werbefachjournalisten werden dieser Tage von schierer Verzweiflung getrieben. Mag. Martina Frieser, die Frau, die nach einigen Monaten Publicis ihren Abschied geben musste, ist nicht zu erreichen. Ihre Anwälte haben ihr davon abgeraten, irgendwelche Informationen oder Statements zu geben. Und: Das Ganze wird wohl in einem Rechtsstreit enden. ExtraDienst hat sie unter einer uralten Kika-Handynummer versucht, ans Rohr zu bekommen, um zu erfahren, was letzte Woche bei der Publicis passiert ist. Und siehe da: Wir schaffen das. Doch dann die Enttäuschung: Zu den Kernproblemen will sie nichts sagen. Inhaltlich sind wir genau dort angelangt, wo die Kollegen scheiterten: bei Null Information.

Doch dann erhalten wir Infos von einem, mit dem wir nicht gerechnet haben. Der uns kontaktiert. Unser Informant gehört indes zu jenen 13 Vertriebenen von der Publicis und ist stinksauer auf die Agentur. Der zieht vom Leder. Frieser hätte von Anfang an keine Chance gehabt. Steve Althaus, der sie damals holte, hat im Jänner (und danach auch seine Finanzerin) das Unternehmen verlassen, als Marketing-Chef von BMW, und denke an die Zeit bei Publicis auch nur mehr mit Grauen. In der Publicis selbst ist man auf Althaus ganz schlecht zu sprechen. Unser ED-Informant: „Die Frieser hatte von Anfang an den Althaus-Stempel. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie der Teufel holt.“

Frieser hätte keine Zeit gehabt, das Neugeschäft aufzubauen, denn das gehe nicht über Nacht. Zwei Jahre hätte es wenigstens gedauert, die Agentur ins tiefe Wasser zu führen. Man hätte eine ganze Reihe von Pitches-Einladungen bekommen, u.a. bei der Münze und bei Austrian Airlines, man hätte eine Reihe von Kleinjobs in Friesers Ära aufgestellt, der große Wurf sei freilich noch nicht dabei gewesen. Unser Anonymus: „So etwas geht nicht über Nacht. Doch Frieser war so eingeschnürt in ihrer Arbeit, konnte selbsttätig kaum etwas machen, wurde mit Administration zugeschüttet und musste internationale Formulare ausfüllen. Da vergeht dir die Freude am Arbeiten.“ Schlussendlich sei Frieser nur mehr zur Befehlsempfängerin und zum ausführenden Organ der Publicis Slowenien degradiert worden, was sie wohl nicht hinnehmen konnte.

Was also ist bei der Publicis geschehen, was haben die vor?  Unser  Informant nennt die Dinge eiskalt beim Namen. Er meint: Die fahren die Agentur herunter und leisten sich nur mehr jene Zahl von Mitarbeitern, die notwendig sind, die internationalen Etats von Renault und Nestlé in Österreich zu betreuen. Das wars. Mit dieser Zahl an Mitarbeitern, die da verbleibt, kann man keine vernünftige, aktive und profitable Agentur in Österreich am Leben erhalten. Da wird es ihnen auch sehr schwer fallen, einen geeigneten Manager zu finden. Denn wer was vom Geschäft versteht, der weiß, dass es mehr braucht, um eine starke Publicis hierzulande zu betreiben.

Was sagt der gut Informierte über den Rechtsstreit, der auf die Publicis und Frieser zukommt? Unser Insider grinst. Tomasz Pawlikowski und Co. sind sehr sparsame Menschen. Sie haben bei Raffaele Arturo, als der nach acht Jahren des Arschaufreißens über Nacht von Bord ging, etliche Zahlungen verweigert. Und sich dann grinsend die Hände gerieben, wie elegant sie gespart haben. So etwas versteht man doch international nicht unbedingt unter Handschlag-Qualitäten. Auch bei Frieser soll es dem Vernehmen nach eine längere Kündigungsfrist geben und den Wunsch der Verantwortlichen, dabei zu „sparen“. Mal sehen, ob die sich das gefallen lässt ....

 Foto: Publicis