Skip to content. | Skip to navigation

Nach einem Schreiben von Elvira Untergatte aus Wien Ottakring („... das neue Life-Ball-Plakat mit den zwei Nackerten ist unerträglich. Da sieht man ja das Zumpferl. Wie soll ich das meinen Kindern erklären? Machens was dagegen ...“) sieht sich der österreichische Werberat gefordert, in einer eigens einberufenen Sitzung auf das umstrittene Life-Ball-Sujet einzugehen. Das Motiv von David LaChapelle (Abbildung) zeigt unter dem Titel „Ich bin Adam. Ich bin Eva. Ich bin ich.“ eine androgyne Figur. Einmal mit, einmal ohne Penis.

 

ExtraDienst war camouflierter Zaungast bei der fiktiven Besprechung des Werberates. Im Zimmer befinden sich die Werberat-Mitglieder DDr. Wolfgang Specht, Prof. Elvira Geyl, Cand. jur. Raimund Wojeur, Willi Hochstehter und Mag. Wohlfeil Verhinderer.

 

Geyl: Wir kommen jetzt zum Paragraf 1 der heutigen Sitzung. Der wichtigste Punkt: ...

Specht: Das Catering?

Hochstehter: Na, sicher net – des Plakat vom Gery Keszler, dem Wahnsinnigen.

Verhinderer: Jedes Jahr regt mi der auf.

Geyl: Die Untergatte hat schon Recht. Es is’ ziemlich unnötig, dass des so sexistisch angelegt is.

Verhinderer: Um Gottes Himmels Willen, müssen wir des gar verurteilen? In echt? Jetzt, wo unsere Conchita so siegreich g’wonnen hat.

Geyl: Die dreh’n uns durch den Fleischwolf. Die machen Wurst aus uns!

Wojeur: Des steh’ man net durch.

Verhinderer: Oba die FPÖ is aa dageg’n.

Geyl: Der Intendant hat gsagt, darum brauch ma uns ned kümmern. Des war uns doch bisher aa schon immer wurscht. 

Wojeur: Die erworten jetzt a Entscheidung von uns.

Verhinderer: Ganz Österreich erwortet wos.

Geyl: Na, die ganze Wöld – seit die Conchita g’wonnen hat, is des Thema sensibel! International. Wisst’s eh.

Hochstehter: Wenn wir hier eine falsche Entscheidung treffen, kann das zu einer dicken Rohrbombe werden. Mit internationalem Shitstorm. Jetzt heißt's aufpassen.

Wojeur: Ich hab’ eine Super-Idee: Wir sollten uns alle einen Conchita-Bart wachsen lassen. Das tät’ den Leuten vielleicht gefallen. 

Von hinten kommt ein weiteres Vorstandsmitglied in den Raum. Frau Ossy Pseudoskar, die Vorsitzende des Werberates.

Pseudoskar: Tut mir leid, ich bin zu spät. Diese Banker halten mich immer soo lang auf. Worum geht’s?

Geyl: Wir haben ein Problem mit dem Plakat vom Keszler.

Pseudoskar: Das ist kein Problem. Ich hab mich schlau gemacht und weiß, wie wir das lösen.

Specht: Da bin i aber gespannt. Soll’n ma uns alle vor die Plakate stellen?

Pseudoskar: Hergehört, das ist ganz einfach. Das Zumpferl-Plakat ist Kunst. Und für Kunst sind wir nicht zuständig. Das geht uns nix an. Ist uns wurscht. Alles klar?

Geyl, Wojeur, Specht und Verhinderer unisono: Eine zutiefst österreichische Lösung. So was können nur wir. Hoch soll’n wir leben. Mein Gott, sind wir gut!

Hochstehter: Chapeau. Und was is’ jetzt mit dem Catering?